Schweres Erdbeben in Wesel

„Ein schweres Erdbeben, dessen Epizentrum im Bereich Wesel Nord lokalisiert wurde, hat mehrere Gebäude zum Einsturz gebracht! Wir fahren gleich nach Wesel und werden dort an der Geschäftsstelle den Bereitstellungsraum besetzen.“ So lautete die Ansprache von Gruppenführer Fabian Weber am Freitagabend in der THW Unterkunft in Balve, als er das ausgearbeitete Übungsszenario verlas.

Mit dem Ziel bekannte sowie neue Berge- und Rettungstechniken auszubilden und zu vertiefen sowie die Kameradschaft als auch den Teamgeist zu fördern, führt der Ortsverband Balve einmal jährlich eine verlagerte Standortausbildung durch. Aufgeladen wurde für diese Übung bereits am vergangenen Donnerstag. Am Freitag musste dann nur noch schnell die Verpflegung für das Wochenende und das private Reisegepäck aufgeladen werden bevor sich die Balver Helfer auf den Weg nach Wesel machten.

In Wesel angekommen, wurden die Helfer von den beiden Führungskräften Benjamin Frohne und Tobias Meißner empfangen. Um die Schlüssel des Übungsgeländes entgegen zu nehmen und erste Übungseinlagen vorzubereiten, waren die beiden schon zu den frühen Nachmittagsstunden am Übungsgelände Wesel angereist. Das Beziehen der Unterkunft sowie der Aufbau der eigenen Küche erfolgten routiniert und die Helfer konnten sich zügig im Aufenthaltsraum versammeln. Aber so ruhig und gemütlich sollte der erste Abend nicht ausklingen!

Gruppenführer Fabian Weber verlas den ersten Einsatzbefahl. „Erkunden und Retten von vier vermissten Personen in der Jägerstraße 3-7!“ Die Helfer besetzten die Fahrzeuge und fuhren ins Schadensgebiet, indem drei Erwachsene ca. 85kg schwere Übungspuppen und einen ca. 15kg schweren Übungspuppe eines Kindes versteckt waren. Da bereits die Dunkelheit eingebrochen war, wurde als erstes das Schadensgebiet großflächig ausgeleuchtet. Anschließend legten sich zwei Helfer die Schutzausrüstung gegen Abstürzen(PSAgA) an und erkundeten so den Trümmerkegel und angrenzende Räume an der Einsatzstelle. Bei der Rettung der Personen mussten unterschiedliche Rettungsmethoden angewandt werden. Nachdem alle Personen gefunden und gerettet wurden, musste noch das eingesetzte Material auf den Fahrzeugen verlastet werden. Im Anschluss wurde kurz über die Übungseinlage gesprochen bevor es zum gemütlichen Teil des Abends überging.

Am nächsten Morgen hieß es dann um 08:00 Uhr Frühstücken um direkt um 09:00 Uhr mit einer Stationsausbildung zu beginnen. An zwei Häusern auf dem Übungsgelände, auf dem auch die Auslandseinheiten üben, wurde das Retten aus Höhen und Tiefen ausgebildet. Neben zwei Methoden durch Benutzung von Steckleiterteilen wurde auch der Einsatz des Einsatzgerüstsystems (EGS) ausgebildet und erprobt. Zum Mittagessen hatten dann alle Helfer die verschiedenen Stationen durchlaufen.

Bevor die Gruppen nach dem Mittag zur nächsten Übungseinlage starteten, wurde die Ausbildung am Vormittag durchgesprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Anschließend warteten zwei Übungspuppen in speziell vorbereiteten Häusern auf die Rettung durch die Balver THW Helfer. Hier mussten alle neben dem frischen Wissen ein breites Spektrum an bereits gelernten abrufen, denn es musste die eine oder andere Unwegsamkeit überwunden werden. Nach der Übungseinlage gab es für alle eine längere Verschnaufpause. 

Diese Pause wurde von den Ausbildern genutzt, um eine größere Einsatzübung vorzubereiten. So wurden in dem „Mexico- und Nachbarhaus“ insgesamt sieben Übungspuppen verteilt. Nach erfolgter Vorbereitung der Übung wurden die Helfer zusammengerufen um mit der letzten Übungseinlage zu starten.

Um 18:00 Uhr kam dann das GO. Fabian Weber und Benjamin Frohne gaben den Einsatzbefehl weiter und Teilten die Helfer ein. Die Gruppe von Fabian Weber bekam es mit dem Mexico-Haus zutun und zeitgleich stand die Gruppe von Benjamin Frohne vor einem 3 Stockwerk hohem Haus welches zum Teil eingestürzt war. Beide Gruppen leuchteten zügig die Einsatzstellen aus und begannen mit der Erkundung der Schadensgebiete. Bei der Erkundung des Mexicohauses wurde eine Übungspuppe unter einem schweren Betonteil eingeklemmt gefunden. Die Zweite Übungspuppe konnte in dem verschütteten Keller, die dritte in einer Spalte unter losem Betonschutt lokalisiert werden.

Bei der Erkundung der Schadensstelle an dem teileingestürzten Haus wurde eine Übungspuppe in einem Kriechgang entdeckt. Auch im 3. OG wurde eine Übungspuppe vermutet, denn ein Arm ragte über die Abbruchkante des 3.OG hinaus. Die Erkundung im inneren brachte eine Übungspuppe, welche in einem engen Kelleraum lag zum Vorschein. Bei der weiteren etagenweisen Erkundung wurde noch eine Übungspuppe auf einem Zwischendach in Höhe des 1.OG gefunden.

Während sich am Mexicohaus das Betonteil nur mit schwerem Gerät bewegen lies. Konnte die Übungspuppe im verschütteten Keller recht gut mittels Bergeschleppe durch die engen Windungen gerettet werden, nachdem der Zugang mittels Klappspaten freigelegt wurde. Der Betonschutt auf der dritten Übungspuppe wurde vorsichtig von Hand entfernt. Alle drei Übungspuppen wurden nachdem sie frei im Trümmerfeld lagen mittels Schleifkorb sicher zur Verletztenablage transportiert.

In dem teileingestürzten Haus wurde die im engen Keller gefundene Übungspuppe mittels Bergeschleppe gerettet und im freien dann mittels Krankentrage zur Verletztenablage transportiert. Die Rettung der Übungspuppe im Krichgang erfolgte ebenfalls mittels Bergeschleppe. Während die Rettung der zweiten Übungspuppe erfolgte, wurde von einem zweiten Trupp ein Leiterhebel zum retten der Übungspuppe aufgebaut, welche sich auf dem Zwischendach befand. Die Rettung der Übungspuppe im 3.OG war etwas anspruchsvoller. Zunächst mussten die Helfer die Übungspuppe mittels Leiterbock vom 3.OG ins 1.OG ablassen um sie vom 1.OG mittels Schiefer Ebene aus dem Gebäude retten zu können.

Überraschend für die Gruppe vom Mexicohaus kam noch ein Verkehrsunfall dazu. Es schien als hätte der Fahrer eines Busses, welcher zum evakuieren des Schadengebietes eingesetzt wurde, einen Herzinfarkt erlitten und eine Person überfahren und diese unter dem Bus eingeklemmt. Zuerst wurde der Fahrer aus dem Bus gerettet und zur Verletztenablage gebracht. Für die überfahrene eingeklemmte Person wurde der Bus mittels Hebekissen angehoben, bis die Person unter dem Bus hervorgezogen werden konnte.

Zum Abschluss des ereignisreichen Tages wurde anschließend ausgiebig gegrillt. Am nächsten Morgen durften alle etwas ausschlafen bevor zum Verladen und Heimfahren geweckt wurde. 

Zurück in der THW Unterkunft in Balve angekommen, wurden die Fahrzeuge gereinigt und die Einsatzbereitschaft des Technischen Zuges wiederhergestellt. Nach einem kurzen Resümee von jedem Helfer war das Ergebnis durchweg positiv und es wurde der Wunsch geäußert das Gelände nochmal zu buchen. 

Am Ende Dankten die beiden Gruppenführer Benjamin Frohne und Fabian Weber für die sehr gute Teilnahme und verabschiedeten die Helfer in den verdienten Sonntagnachmittag.

Die komplette Bildergalerie des Wochenendes folgt am kommenden Freitag.

Newsdatum:
02.11.2015 18:57
Alter:
2 yrs
Newskategorie:
Technischer Zug
Autor:
Benjamin Frohne

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