Einsatzübung: AGT in der Geisterstadt Elverlingsen

Zur Erhaltung ihrer Einsatzbefähigung müssen sich die Atemschutzgeräteträger jährlich mindestens einer einsatzrealistischen Belastungsübung stellen. Die diesjährig erste Übung dieser Art führte die Helfer diesmal in die Geisterstadt nach Werdohl-Elverlingsen.

Schon bei der Anfahrt konnten aufsteigende Rauch- bzw. Nebelwolken ausgemacht werden. Nach Einweisung in die Lage, laut Szenario gab es eine Verpuffung, stand fest, dass das Schadensobjekt nur noch über einen Kellerzugang betreten werden konnte.

Um die Einsatzstelle möglichst realistisch abhandeln zu können waren neben den Atemschutzgeräteträgern auch weitere Helfer angerückt. Daher machten sich diese umgehend an den Aufbau der Beleuchtung sowie der Einrichtung des Zugtrupp-MTWs als mobiles Büro für die Einsatzdokumentation und spätere Atemschutzüberwachung. Die AGTler rüsteten sich derweil mit Pressluftatmern und passendem Rettungsgerät aus.

Vor jedem Einsatz müssen sich die AGTler bei der Atemschutzüberwachung registrieren. Diese hat die Aufgabe während des Einsatzes die Drücke der Atemschutzflaschen der Helfer regelmäßig abzufragen um eine Überwachung gewährleisten zu können, damit rechtzeitig gewarnt werden kann, wenn der Rückzug aus dem Gebäude angetreten werden muss. Darüber hinaus nimmt sie im Notfall einen Notruf des Trupps entgegen, wenn z.B. ein technisches Problem vorliegt oder sich ein Helfer verletzt hat. Die Atemschutzüberwachung konnte bei dieser Übung erstmals sehr präzise durchgeführt werden, da der Ortsverband seit Ende letzten Jahres über eine passende Atemschutzüberwachungstafel verfügt.

Nach Anschluss der Lungenautomaten tastete sich der Trupp vorsichtig in den Zugang vor, es quoll bereits dichter Nebel aus dem Keller hervor. Schnell wurde klar, dass es sich um eine Vielzahl von Kellerräumen handelt, die verwinkelt und unübersichtlich sind. Da die Sicht in den völlig vernebelten Räumen nur wenige Zentimeter betrug, ist es in solchen Situationen enorm wichtig als Trupp geschlossen zu bleiben um keinen Helfer zu verlieren, da sich das Wiederfinden hierbei äußerst schwierig gestaltet.

Eine weitere Herausforderung ist das wiederherausfinden aus dem Gebäude. Als Hilfsmittel hierzu hat die THW-Helfervereinigung Balve im letzten Jahr zwei Leinenbeutel angeschafft, in denen sich jeweils 50m Sicherungsleine befinden. Diese Sicherungsleine spult sich beim Vordringen ins Gebäude aus dem Beutel ab, so kann einerseits der Trupp seinen Weg exakt wieder zurück nach draußen verfolgen, ein zweiter Trupp kann andererseits aber so auch sehr schnell zum ersten Trupp finden um diesen z.B. bei der Rettung zu unterstützen oder in Notfällen dem eigenen AGTler zur Hilfe zu eilen. Der Beutel kann hierbei recht einfach am Bein oder an der Atemschutzflasche befestigt werden. Als weiteres Feature des Beutels können auch die angebrachten Taschen bezeichnet werden, in diesen können z.B. Keile aufbewahrt werden. Keile sind neben der Sicherungsleine ebenfalls essentiell um den Rückzugsweg des Trupps zu sichern, so können beim Vordringen aufgemachte Türen fixiert werden, damit diese nicht mehr zufallen und so den Fluchtweg blockieren können. Im Ernstfall kann das zu einer tödlichen Falle für den Trupp werden.

Erschwerend zur nicht vorhandenen Sicht kam die Tatsache hinzu, dass sämtliche Türen verschlossen oder blockiert waren. Die vom Trupp als Gerätschaft gewählte Rettungsaxt konnte sich hier viele Male erfolgreich beweisen. Da aber solche alternativen Türöffnungen einiges an körperlicher Kraft benötigen, erhöht sich der Luftverbrauch während der Zeit extrem – daher ist es enorm wichtig, dass die einzelnen Helfer des Trupps gleichmäßig belastet werden, da sich die Einsatzzeit des Trupps logischerweise an dem Helfer mit dem geringsten Luftvorrat bemisst, welches auch der Trupp in dieser Übung schmerzlich feststellen musste.

Nach Überwindung unzähliger Hindernisse und Durchsuchungen der vielen Kellerräume wurde eine erste vermisste Person gefunden die umgehend gerettet wurde um anschließend den verbleibenden Kellerbereich weiter abzusuchen. Hier konnte aber keine weitere Person aufgefunden werden, sodass der Weg über eine zuvor schon ausgemachte Holztreppe in die darüber liegende Etage führte.

Doch auch das Vordringen in die Wohnung wurde durch eine Vielzahl von Hindernissen ausgebremst, die stets aus dem Weg geräumt werden mussten um nicht den Fluchtweg zu beschränken. Im Gegensatz zu den zuvor abgesuchten Kellerräumen zeichneten sich die Wohnräume durch Geräumigkeit aus. Dies erfordert ein großes Maß an systematischer Suche, so muss der Raum letztendlich vollständig abgesucht werden, aufgrund der auch hier stark eingeschränkten Sicht ist jedoch eine Orientierung kaum möglich. Auch die Dimensionen des Raums kann der Trupp nur schwer einschätzen, da er sich beim Betreten des Raums lediglich einer großen, weißen Nebelwand konfrontiert sieht.

Unterstützung erhielt der Atemschutztrupp allerdings von den Kameraden vor dem Gebäude, die die Scheinwerfer passend ausrichteten um durch die Fenster mit dem Licht zu mindestens ein wenig Orientierung geben zu können. Durch diese gute Teamleistung und der konsequenten Vorgehensweise bewies der Trupp eine clevere Taktik.

Zum Ende dieser ersten Etage ging jedoch dem Trupp allmählich die Luft aus, sodass der unmittelbare Rückzug aus dem Gebäude angetreten werden musste. Da die Helfer bei den Belastungsübungen an ihre Grenzen geführt werden sollen (und wollen) stand jedoch nur eine kurze Regenerationsphase zum Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes an. Nach einem Flaschentausch an den Geräten und somit neuen 1800 Litern pro Helfer zur Verfügung stehender Luft wurde das Gebäude erneut betreten, um über das Treppenhaus in die zweite Etage vorzudringen. Mittlerweile fast schon Routine, blockierten hier abermals zahlreiche Hindernisse den Weg. So versperrten sich erneut viele Durchgänge einer lockeren Durchquerung und auch der Boden war geziert von unzähligen Trümmerteilen. Da diese oftmals scharfkantig sind entschied sich der Trupp für eine besonders vorsichtige Vorgehensweise um keine Verletzungen zu riskieren.

Nach der mittlerweile routinierten Abarbeitung der Etage, in der eine weitere vermisste Person aufgefunden und gerettet wurde, drang der Trupp in das verbleibende Dachgeschoss vor. Die eigentliche Tür war hier jedoch nicht passierbar und so nutze der Trupp einen engen Durchgang in der Wand. Kaum hatten sich die Helfer jedoch durch den Durchgang gezwängt, wurde ein Helfer durch die Ausbilder zurückgehalten – ein Atemschutznotfall wurde simuliert. Die verbleibenden zwei Helfer des Trupps merkten allerdings direkt, dass sie nicht mehr vollzählig waren und eilten ihrem Kameraden zu Hilfe, dieser schien ohnmächtig geworden zu sein. Schnell wurde ein Notruf an die Atemschutzüberwachung abgesetzt und der AGTler in eine stabilere Lage gebracht. Da der einzige Weg aus dem Dachgeschoss nun erneut durch die schmale Öffnung in der Wand führte, wurde diese mit der Rettungsaxt gezwungener Maßen vergrößert. Trotzdem gestaltete sich die Rettung weiterhin schwierig, sodass der Trupp beschloss dem verunfallten Kamerad das Atemschutzgerät vom Rücken abzusetzen, um besser durch die Öffnung hindurchzukommen.

Um den Abschluss der Übung einzuleiten und die allerletzten Reserven aus den Atemschutzgeräteträger herauszulocken musste der Trupp ihren Kameraden auch noch in die darunterliegende Etage transportieren. In einem Ernstfall hätte der Trupp, so lange er sich in einem sicheren Bereich befunden hätte, allerdings auf die Ankunft des speziell für diese Fälle vorgehaltenen Sicherungstrupp gewartet, um Ruhe zu bewahren und damit die eventuell entscheidende Luftreserve aufbauen zu können. Die Rettung hätte dann vornehmlich der Sicherungstrupp durchgeführt, da dieser eben noch über einen vollen Luftvorrat verfügt.

Mit dem Abschluss dieser Rettungsaktion wurde die Übung erfolgreich beendet und gemeinsam der Abbau der Gerätschaften durchgeführt. Zurück in der Unterkunft galt es dann am Grill die Übung zu analysieren um anschließend den gelungenen Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

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Newsdatum:
26.03.2016 16:18
Alter:
2 yrs
Newskategorie:
Technischer Zug
Autor:
Fabian Weber

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