Ausbildung an der Motorsäge nahe Endorf

Für die Bergungsgruppen drehte sich unter der Anleitung von Jonas Scheffer am Samstag den 13. Februar alles um das Thema „Motorsäge“. Zunächst wurden der Aufbau und die Inbetriebnahme vorgestellt, sodass auch die neuen Helfer, die das Thema Motorsäge nach Curriculum nicht mehr in ihrer Grundausbildung behandelt haben, auf Stand gebracht wurden.

Ein besonderes Augenmerk wurde hierbei auf das Thema „Sicherheit“ und „UVV“ gelegt, da der Umgang mit der Motorsäge viele Gefahren mit sich bringt, die bei unsachgemäßem Gebrauch oder mangelnder Aufmerksamkeit zu schweren Verletzungen führen.

Daher wurde anschließend die Rückschlaggefahr praktisch behandelt, indem jeder sowohl das horizontale als auch das vertikale Ausschlagen vorsichtig provozierte. Da es sich hierbei um eine kontrollierte Situation handelt, konnten so alle Helfer ein Gefühl für das ansonsten sehr gefährliche Verhalten der Motorsäge entwickeln.

Nach diesen grundlegenden Schritten und Gefahrenpotenzialen, galt es nun verschiedene Schnitttechniken zu erlernen bzw. zu wiederholen. Da sich der Einsatz der Motorsäge beim THW in den aller wenigsten Fällen auf das Zuschneiden von Holz beschränkt, wurde das Augenmerk auf die Situationen nach einem Sturm gelegt, sodass zunächst unter Spannung stehendes Holz bearbeitet werden musste. Hier zeigt sich schnell, dass schon ein gefällter und nur auf dem Boden liegender Stamm diverse Spannungen aufweist, die es zu beachten gilt. Anschaulich wurden Druck- und Zugseite dargestellt, die Bewertung dieser Spannungen ist vor jedem Schnitt notwendig um ausreißendes Holz oder eingeklemmte Sägen zu vermeiden. Mit ein wenig Übung konnten sich die Helfer auch an den Bohlenschnitt wagen, der auch bei nicht direkt ersichtlicher Spannung im Holz gut anwendbar ist.

Damit die Helfer ohne THW-Sägeschein auch weiterhin am Boden liegendes Holz zum Üben zur Verfügung hatten, galt es für die Helfer mit THW-Sägeschein nun weitere Bäume zu fällen. Hierbei wurden vom Ausbilder selbstverständlich keine perfekt gewachsenen Bäume ausgewählt, vielmehr standen sogenannte Vor- und Rückhänger zur Auswahl. Bei diesen neigt sich der Stamm von der vertikalen Achse weg, sodass Spannungen im Holz vorhanden sind, welche bei der Fällung zwingend beachtet werden müssen. Unter Aufsicht des geschulten Auges wurden die diversen Fällschnitte angewandt und vertieft. Hierbei wurde schnell klar, dass man allein mit den Standard-Schnitttechniken nicht weit kommt – hier sind Tipps von der Erfahrung her nötig um zügig und sicher dem Baum fällen zu können.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung zeigte sich imposant, dass jeder Baum eine individuelle Begutachtung benötigt um ihn erfolgreich fällen zu können. Ein mit dem Hang zu fällender Baum wollte hierbei selbst nach Einsatz diverse Fällkeile nicht von seinem Platz weichen, sodass der Einsatz einer Winde notwendig wurde. Da auch bei Sturmholz jedoch selten ein Baum ohne Hilfsmittel zu beseitigen möglich ist, bieten solche Situationen eine gute Vorbereitung auf zukünftige Einsätze.

Nach der Verpflegung galt es die eingesetzten Motorsägen intensiv zu reinigen und zu pflegen. Bevor diese nicht ganz so beliebten, aber für eine scharfe und lang haltende Säge zwingend durchzuführenden Schritte, angegangen wurden, gab es für die Helfer noch eine Überraschung. Anhand einer alten und nicht mehr einsatzfähigen Schnittschutzhose konnte eindrucksvoll die Wirkweise dieser demonstriert werden. Schnittschutzhosen enthalten eine Schicht aus lose verwebten, sehr langen und feinen Fäden die im Falle eines Schnittes in die Hose aus dieser herausgezogen  werden. Die Kette nimmt diese Fäden mit und transportiert sie automatisch entlang der Schiene in Richtung der Kupplung. Hier würgt die enorme Menge an Faden die Motorsäge ab und bremst die Kette abrupt, sodass ein weiteres Durchdringen der Säge verhindert wird. Die Demonstration zeigt jedoch auch, dass die Säge zwar gestoppt wird, die Schnittschutzbekleidung jedoch auf keinen Fall unverwundbar macht und daher insbesondere bei hohen Drehzahlen mit Fleischwunden zu rechnen ist.

Mit dieser Sensibilisierung im Hinterkopf machten sich die Helfer unter detaillierter Anleitung an die Reinigung der Sägen. Da diese hierbei zerlegt werden, erfuhr man automatisch viel über den Aufbau der Säge. So gab es hierbei zahlreiche Tipps, z.B. wie man einer nicht anspringenden Säge auf die Sprünge helfen kann. Doch benötigt neben der Reinigung der Motorsäge auch die Kette intensive Zuwendung, möchte man mit dieser lange und unbeschwert sägen. So muss der Abnutzung entgegen gewirkt werden – die Zähne werden mit einer speziellen Pfeile geschärft und die sogenannten Tiefenbegrenzer je nach Abnutzung angepasst. Bei all diesen Tätigkeiten erfuhren die Helfer immer wieder Details zum Aufbau, welche unterschiedlichen Kettenarten es gibt und worin sich diese unterscheiden.

Auf die abschließende Betankung und Verlastung auf die Fahrzeuge folgte eine Wiederholung der am Tag kennengelernten Sägeschnitte um hierbei letzte Fragen zu klären und den Tag zu resümieren.

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Newsdatum:
16.02.2016 05:55
Alter:
2 yrs
Newskategorie:
Technischer Zug
Autor:
Fabian Weber

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